Sophia Kühn

Malerei begann als Ausgleich. Und wurde zur Sprache

Raus aus dem Kopf, raus aus dem Tempo. Zuerst tat malen einfach gut. Kreativität war immer da. Schon im Jahr 2000 habe ich erste Websites gestaltet. Was mich faszinierte, war nicht die Technik, sondern die Frage, was man mit Form, Farbe und Komposition ausdrücken kann. Die Malerei kam später. Aber sie kam nicht aus dem Nichts.

Anfangs habe ich realistisch gemalt. Wellen. Wolken. Präzision. Aber die Perfektion der Form ließ keinen Raum für das, was ich eigentlich ausdrücken wollte. Eines Abends gelang mir nicht, was ich vorhatte. Die Wut darüber, voller Emotionen habe ich einfach drübergemalt. 

Am nächsten Morgen war dieser Moment da, Gänsehaut.

Da wusste ich: Malen muss aus der Emotion kommen. Das Loslassen, die Freiheit, die Gefühle auf die Leinwand lassen, das ist keine Schwäche. Das ist mein Weg.

Meine Wahrnehmung ist intensiv und vielschichtig. Farben, Stimmungen, Emotionen treffen ungefiltert auf. Das war nicht immer einfach. Heute ist es die Grundlage meiner Arbeit. Meine Superkraft.

In den Ausstellungen stehe ich oft und beobachte. Bei manchen Menschen siehst du den Moment, wo sie es entdecken. Die Emotion trifft. Das ist phänomenal. Für diesen Moment stelle ich gerne aus.

Die digitale Welt hat mich schon immer fasziniert. Als ich von der Blockchain und NFTs erfuhr, wusste ich sofort: das gehört dazu. Eine Technologie, die Echtheit beweist und Menschen auf neue Weise verbindet. Mit der Zeit entstand der Drang den Himmel in Bewegung zu setzen. Ich habe meine Gemälde fotografiert, animiert. Ein neues Werk entsteht, das im Original so nicht existiert. Das Wissen, das ich mir in dieser Welt angeeignet habe, führte dazu, dass ich eingeladen wurde, darüber zu sprechen und Vorträge zu halten. Physisch und digital ist kein Gegensatz. Es ist dieselbe Energie, in zwei Zuständen.

Die Inspiration kommt aus meinen Emotionen. Das ist das Erste. Dann kommt der Atlantik, mit seiner gewaltigen Vielfalt, dem Licht, der Weite. Gemalt wird im Ruhrgebiet, mittlerweile mein Zuhause.

Die Bilder sind semi-abstrakt. Acryl auf 3D-Canvas. Manchmal Gold, manchmal Silber, manchmal fluoreszierende Pigmente, die unter Schwarzlicht ein zweites Bild zeigen. Zwei Zustände. Ein Werk.


Natalie Dilekli, Kunsthistorikerin M.A. über Sophia Kühns Kunst:

“Im Mittelpunkt der Malerei von Sophia Kühn steht das Meer und der Himmel in seiner sich ständig verändernden Erscheinung. So jedenfalls stellt es sich auf den ersten Blick dar.
Eine wesentliche Kategorie, die Sophia Kühn jedoch von zahlreichen Künstler*innen unterscheidet, die sich dem Thema verschrieben haben, ist der der Zeitlichkeit. Gemeint ist, dass Sophia Kühn eine Perspektive auf die Leinwand bringt, die man überzeitlich nennen könnte. Es geht nicht darum, diesen einen einzigartigen Moment einzufangen, so wie bei Hokusai, der uns die Welle zeigt, kurz bevor sie bricht. Sondern es gelingt ihr mit Farbe und Licht eine Atmosphäre zu erzeugen, die sich vom Motiv löst. Das Meer, was wir gerade sehen, war soeben noch ein anderes und wird sich vor unseren Augen immer wieder verändern. Doch ist es weniger die Realität, die diese Veränderung verursacht. Das Auge des Betrachters ist es, der Blick des Menschen, der mit wechselnden Gefühlen in die Welt geht, schafft sich seine eigenen Realitäten.
Freilich ist dies anders als zu William Turners Zeiten, der es wagte sich vom Motiv zu lösen und atmosphärische, an Abstraktion grenzende Landschaften zu malen, nicht mehr provokant. Doch stellen diese Gemälde, in denen das Spiel von Konkretem und Abstraktion immer wieder aufs Neue betrieben wird, die Frage nach dem Realitätsgehalt des Sichtbaren.
Sophia Kühn eine Landschaftsmalerin zu nennen greift also zu kurz, lotet sie doch mal mit groben sehr gestischen Pinselstrichen, mal mit lasierendem Farbauftrag immer wieder die Grenzen dieser Gattung aus. Hier ist es ein Wirbel aus farbstarken breiten Pinselstrichen, die an Wolkenformationen oder Windstöße erinnern. Dort sind es aufeinanderstoßende Farbflächen, die allein wegen des mit feinem Strich angedeuteten Horizonts Himmel und Meer andeuten. So stellt sie ihre Malerei in den Dienst der Erforschung von Empfindungen. Die Betrachtung des wird Meeres zu einer Projektionsfläche des Selbst, das sich nicht sieht, aber sein Innerstes anhand des Motivs zum Ausdruck bringt. Was könnte sich da besser eignen, als die unendliche Weite des Meeres und des Himmels, der den Menschen an seine Unbedeutsamkeit erinnert. Sind wir doch nicht mehr, als ein Staubkorn im Universum. Für uns aber hat das die Weite des Meeres und des Himmels auch immer etwas Tröstliches.”


Ausstellungen und Präsenz

Meine Ausstellungen reichen vom Ruhrgebiet bis zur französischen Atlantikküste. Arbeiten sind Teil internationaler Sammlungen und werden sowohl in physischen Räumen als auch im digitalen Umfeld gezeigt.


Kurzvita

Geboren in Pyskowice
Seit 2021 freiberuflich als Künstlerin in Herne
Mitglied im Herner Künstlerbund e. V. und MIZANscènes, Frankreich
Zahlreiche Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Deutschland und Frankreich
Stationen von Grafikdesign über Unternehmensgründung bis zur künstlerischen Selbstfindung


Presse:

2023
Alpgold –  Luftig-leicht: Sommerbrise im Königlichen Kurgarten
2022
Falko Herlemann – WAZ – “Dem Alltag entfliehen” . Herner Künstlerin malt Landschaften
Mein Herne Redaktion – Ausstellung ‘Dem Alltag entfliehen’Ausstellung ‘Dem Alltag entfliehen’
2021
Mein Herne Redaktion- Ein Tag am Meer: Herner Künstlerin stellt aus
2021
Stadt Castrop-Rauxel- Ausstellung „Ein Tag am Meer“
2020
Hallo Herne Neue Ausstellung: ‘Landschaften’
2020
Falko Herlemann – WAZ – Sophia Kühn zeigt in Herne Ansichten von der Atlantikküste